19.August 2005 2.Tag Little Meru

Als der Wecker um 7 Uhr klingelt, habe ich vielleicht 4 Stunden geschlafen. Frühstück ist wieder im vorderen Hüttenbereich. Die AFROMAXX Tischdecke ist gedeckt, als der Toast, die Marmelade, der Honig, die Erdnussbutter und das heiße Wasser für den Tee von Dennis angetragen wird. Unsere Trinkbehälter für unterwegs geben wir ab und erhalten sie vor dem Aufbruch mit heißem Wasser zurück. Mit den afrikanischen Jungs hat man recht wenig zu tun, ich weiß nicht mal in welchen Hütten sie schlafen.
Erst um 9 Uhr brechen wir auf, vorher hieß es packen, packen, immer wieder packen. Ich trage wieder mein kurzes Trekkinghemd mit der Windjacke darüber. Über meinen Rucksack streife ich auch einen Regenschutz, denn es nieselt und das Wetter sieht nicht gerade freundlich aus. Nebel und Feuchtigkeit streifen mit uns tapfer durch den Regenwald. Eine einfache Treppe aus Ästen und Brettern führt uns hinauf. Gestern schrieb ich noch von einem bezaubernden Märchenwald. Der Wald heute sieht eher aus wie verhext. So unheimlich und vernebelt starren mich die knochigen Bäume an. Zugedeckt unter langem Moos wirken sie gespenstisch und traurig. Mit langsamen, gleichmäßigen Schritten folgen wir dem Ranger, als zeige er uns zum ersten Mal, wie man richtig geht.
Als wir die Drei-Tausend-Meter-Grenze erreicht haben, stehen wir mitten in den Wolken. Nach 2 Stunden laufen machen wir eine Pause, wir haben den verhexten Wald hinter uns gelassen und blicken nun in das Tal des Mount Merus, das völlig in den Wolken liegt und somit keine Sicht auf den Kraterkegel möglich ist. Aber wir sehen zum ersten Mal den großen hohen Kraterrand. Da irgendwo hinter den Wolken ist der Gipfel, er versteckt sich mit seiner schlechten Laune, wie es aussieht, als wolle er nicht bestiegen werden. Wir öffnen die Lunchboxen und genießen die herrliche Landschaft und ebenso die wenigen Sonnenstrahlen.
Noch zwei Stunden liegen vor uns zum nächsten Camp. Nach der Pause wird es nun immer trockener, zuerst der Boden und dann verschwindet der Wald. Nadelbäume und grüne Wiesen, wie im Allgäu, tauchen auf, bis schließlich nur noch strohige Büsche auf dieser Höhe leben mögen, aber auch sie sind von dem "Spanischen Moos" befallen.
Nach einem super tollen Wanderausflug erreichen wir nach 14 Uhr die "Saddle Hut" auf 3500m. Tee mit salzigem Popkorn stärkt uns. Wir sitzen auf einer grünen Bank an einem grünen Tisch. Auch dieses Camp macht einen sauberen und ruhigen Eindruck. Unsere Säcke lassen wir erst einmal links liegen und wärmen uns in der Sonne.
So um 15 Uhr machen wir einen Ausflug zum "Little Meru" auf 3820m. William zeigt uns den Weg und führt uns zum kleinen Merugipfel. Das Aufsteigen und spätere Absteigen ist eine gute Möglichkeit den Körper an die Höhe zu gewöhnen. Die fünf Hütten unseres Camps werden immer kleiner, die Sicht wird immer besser und es ist angenehm warm.
Weniger als eine Stunde brauchen wir für den Aufstieg des "Little Merus". Die Aussicht auf das Wolkenmeer ist grandios und sogar den Kilimanjaro sehen wir weit in der Ferne herausragen.
Auch können wir den weiten Weg zum großen Merugipfel (der immer noch hinter einer Wolke versteckt liegt) erahnen, der uns heute nach Mitternacht erwartet.
Wir wissen noch nichts über die Route, auch nicht, was auf uns zukommt. Die letzten beiden Wandertage waren für mich einfach zu meistern und ich weiß, dass der Meru verdammt böse und unbezwingbar aussieht, aber das werden wir ja sehen.
Wir lassen uns viel Zeit, machen Gruppenbilder und genießen die Sonne. Auch eine andere Reisegruppe ist mit uns hier oben. Bevor es dunkel wird, steigen wir wieder zum Camp hinunter, von der Höhe merke ich nichts, aber ich bin müde von den 5,5 Stunden Laufen.

Um 18 Uhr gibt's Huhn, Reis und Gemüse zum Abendessen.
Um 19 Uhr gehen wir schlafen, es ist wieder schön warm im Schlafsack, diesmal bin ich der Einzige, der tief und fest bis 1 Uhr schläft.