![]() 18.August 2005 1.Tag Mirakamba Hut
Der Wecker, den ich mir im Flugzeug für 10 Euro gekauft habe, weckt mich um 8 Uhr. Es folgt ein supertolles Frühstück mit Toast, Butter, Marmelade, Wurst, Käse, Obstsalat, Orangensaft und Kaffee. Nun lerne ich die nette und hübsche Freundin von Alex kennen, Madeleine, die zweite Hälfte von AFROMAXX. Sie wünscht uns viel Erfolg, während unser Bus mit unserem Gepäck beladen wird. Pünktlich um 9 Uhr geht's los.
Wir fahren auf gut befahrbaren und leeren Straßen, später auf einer Schotterpiste, bis wir an eine Schranke kommen. Nationalpark-Rangers fangen mit unserem Fahrer, der mit dem Dokument in seiner Hand herumwedelt, zu diskutieren an, wir wissen nicht, um was es geht, steigen aus und gehen spazieren. An dem Wachhaus hängt an einer Schnur eine Gepäckwaage. Aus Neugierde befestige ich meine Sachen an den Haken und freue mich über das optimale Gewicht. Mein Tagesrucksack wiegt 6 kg und meine große Tasche 12 kg. Die große Tasche, ein Seesack, werde ich zum Glück nicht selbst tragen müssen. Es wird Zeit, das Team nun vorzustellen: Also, da wären erst mal wir vier Touristen, der Koch Heaven, Dennis und Williams, der deutsch sprechende Verwandte von Alexander. Anders als beim Kili, wird uns ein Ranger vom Nationalpark begleiten müssen. Dieser gewehrbewaffnete Ranger ist somit auch unser 1st Guide, der das Sagen hat und uns vor Büffeln beschützen kann.
Wir warten immer noch voller Spannung darauf, dass es weiter geht.
Hier steht ein super Plastikmodell des Mount Merus in einem Schaukasten, wir studieren unsere Route und ich sehe zum ersten Mal den kantigen, gefährlich aussehenden Berg. Der Mount Meru besteht aus einem Kraterkegel in der Mitte und einer äußeren Kraterwand, die den inneren Krater umgibt. Den höchsten Punkt mit 4562 m dieser Kraterwand, gilt es zu besteigen. Im Hintergrund sehen wir noch den "Little Meru" mit 3820m, auch diesen Berg werden wir im Laufe der nächsten 3 Tage besteigen.
Wir wechseln das Gefährt und fahren nun mit einem Jeep weiter durch den dichten Dschungel des Arusha-Nationalparks und können, die wie für uns ins Rampenlicht gestellten Tiere sehen: Giraffen, Zebras, Affen und Büffel.
Endlich um 12 Uhr erreichen wir das Momella Gate und unser Team ist vollständig, denn der Ranger Ben hat sich uns, wie erwähnt, angeschlossen. Ich bin gespannt, wie sich meine neuen Wanderschuhe laufen, ich hatte sie noch nie beim Wandern an, nur zum Eingewöhnen bin ich etwas spazieren gelaufen. Neben den Schuhen habe ich meine Trekkinghose, ein kurzes Trekkinghemd und eine Windjacke an. Der Himmel sieht bewölkt aus, es regnet leicht und manch einer zieht die Regensachen über. Noch vor dem Aufbrechen füllen wir unsere Trinkbehälter mit Wasser. Ich habe ein 2 Liter Camelbak Trinksystem und eine 1 Liter Aluflasche mit. Ich freue mich, dass es endlich losgeht. Mit blassen Gesichtern und sauberer Kleidung beginnen wir unsere Wanderung auf einer weiten Wiese, entlang eines Baches. Am Ende dieser weiten Landschaft sieht man etwas Dschungel, aber von einem 4562m hohen Berg ist nichts zu sehen. Wie Mahnmale oder schlechte Omen liegen zerfressene Büffelschädel am Boden, als würde hier eine Geschichte von Karl May erzählt werden. (Jeder weiß aber, dass ich die Geschichte hier erzählen werde!)
Wir laufen sehr langsam und gleichmäßig. Der Ranger geht voran, alle anderen laufen hinter ihm, jeder so schnell er will und unser Team ist weit verteilt in der Ebene. Auch Büffelherden schmücken das Landschaftsbild. Wir sind die absolut Einzigen in der ganzen Landschaft. Es wird geredet, man lernt sich und die Träger kennen.
Die Natur riecht frisch, Nebel hängt wohin man schaut. Die feuchte Luft lässt das Grün der Bäume noch saftiger erscheinen. Manchmal gehen wir auch mitten durch Wälder auf nassen Waldböden und müssen aufpassen nicht zu rutschen. Wir hüpfen von Stein zu Stein und überqueren Flüsse. Nach ca. 2 Stunden machen wir eine Pause und schauen erwartungsvoll in unsere Lunchbox: Banane, Saft, Schokolade und Gebäcke füllen die Schachtel aus. Nach erreichen der 2000m Grenze, fühlt sich Annett nicht so wohl und hat Probleme mit ihrem Kreislauf. Bert und ich gehen alleine etwas vor. Wir erreichen einen Zauberwald, wie ich ihn nenne. Ein mit Moos bewachsener Waldboden federt weich unter meinem Schritt, auch die Bäume sind schick mit Moos bekleidet. An den Ästen hängen lange, von der Sonne durchscheinende grüne Haarbüschel, die eine magische, wohltuende Atmosphäre schaffen. Wir sehen Pflanzen, die nur hier wachsen, die "Red Hot Poker", das sind Pflanzen mit feuerfarbigen Blüten, die uns den Weg leuchten wie Laternen.
Bert und ich verstecken uns leise hinter Bäumen, wir haben ein junges Reh gesehen. Es sieht uns neugierig und still an, ohne Angst zu zeigen.
Nach weiteren 2 Stunden leichten Wanderns lichtet sich der Wald und wir erreichen das Camp um 16 Uhr. Das "Mirakamba Hut" Camp ist eine kleines Dorf auf 2514m und besteht aus fünf gepflegten Hütten. Ein Wasserhahn tropft in die Natur, eine Wäscheleine lässt Kleidung trocknen, an einem Tisch auf einer Bank sitzen Afrikaner, wahrscheinlich die Träger eines anderen Teams. Wir bekommen ein Zimmer mit 2 Hochbetten, wie in einer Jugendherberge zugeteilt und packen unsere Sachen aus. Manchmal setzt sich die Sonne durch und blinzelt durch den bewölkten Himmel hindurch. Um 17 Uhr ist Teatime. Dennis kommt mit Keksen, Teebeuteln und heißem Wasser in den Aufenthaltsraum, vorne in die Hütte. Wir gehen anschließend alle gemeinsam spazieren, gehen bergauf durch die tolle Waldlandschaft, die "Red Hot Poker" leuchten auch in der Dämmerung unentmutigt. Wir steigen auf einen Hügel und ich suche nach Elfen in der Ferne, sage es aber niemanden. Dort drüben ist der Gipfel, man kann ihn gut sehen, obwohl er sich hinter einem zerfetzten Nebelvorhang verstecken will.
Um 18 Uhr gibt es Abendessen. Spagetti, Fleischsoße, dazu Früchte und Tee. Außer uns sind noch zwei oder drei andere Reisegruppen hier, alle aus Deutschland.
Den Abend verbringen wir mit Kartenspielen. Solche gemütlichen Abende werden wir wohl auf den Kilimanjaro nicht haben, dort müssen wir ja in Zelten schlafen. So eine Hütte ist viel bequemer, man kann sich im Stehen anziehen und hat einen Tisch zum Essen. Die Stehtoiletten im Toilettenhaus sind stinkend und schmutzig, aber ich zwinge mich dennoch zu einem Besuch. Um 21:30 Uhr wird das Licht ausgemacht und wir gehen in unser Zimmer. Das erinnert mich an die Hüttenausflüge in der Schulzeit, denn das dauert eine Weile bis endlich alle fertig sind. Wir reden noch etwas, dann schlafen fast alle ein.
Vor lauter Aufregung und das Gefühl, nicht richtig atmen zu können, kann ich noch nicht einschlafen. Weiß aber, dass es in der niedrigen Höhe noch nicht sein kann und mich da nur hineinsteigere. Träume sogar vom Kilimanjaro, von Atemnot und Höhenkrankheiten, so dass ich kein Auge mehr zumache. Dankbar bin ich, als ich mich Bert beim Rausgehen zum Wasserlassen, anschließen kann.
Es ist sogar richtig warm draußen und der helle fast volle Mond vertreibt die Schwärze im Camp. Eine wunderschöne Nacht.
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